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Archive for the 'Themen' Category

09.10. Death Valley

Dienstag, Oktober 12th, 2010

Schaut Euch die Fotos an. Beim Spaziergang am Badwater-Point knirscht das Salz unter den Schuhen wie Eis, es fühlt sich beim Gehen so an wie auf einer dünnen Schneedecke.
Rhyolite- eine Geisterstadt, die nur 15 Jahre vom ersten Goldfund bis zum Verlassen gelebt hat, verbreitet eine etwas düstere Stimmung. Vielleicht sind noch hier zu viele enttäuschte Gefühle und negativen Kräfte zurückgeblieben. Ich bin froh, weiterzufahren.
Abends auf einem RV-Platz treffen wir ein Thüringer Paar mit RV, von denen wir wieder lernen können, wie typische Deutsche die Welt erleben.
Ein herrlicher Sonnenuntergang und die beiden sitzen in Stühlen und genießen ihn. Wir gehen hin, ein bißchen small talk und sie erzählen, was sie so gemacht und erlebt haben, – zb schlechtes Wetter in GrandCanyon, Sturm im Monument Valley. Fritz meint: “Und jetzt erleben wir so einen herrlichen Sonnenuntergang- und ganz umsonst.” Die Antwort: “Na ja, ganz umsonst ist er nicht, wir müssen ja den Platz hier bezahlen.” Kurz danach ihre Frage, wie lange wir schon unterwegs sind etc. Unsere Antwort: jetzt nur kurz mit dem Auto, eigentlich mit dem Rad unterwegs, 6 Monate kreuz und quer durch die Staaten. Ihre Reaktion: ” na ja, wer`s kann.”
Wir verabschieden uns schnell und merken, dass ein kleiner Klumpen schlechtes Gefühl im Magen bleibt. So schnell geht das.

08.08. Eine Pause mit Einladung

Sonntag, August 15th, 2010

Während wir die letzten Artikel in einem Cafe am Straßenrand schrieben, hatten wir mehrere nette Gespräche mit Radlern, denn das Cafe ist wohl ein beliebter Pausenstandort. -Es gibt auch nicht viele. Ein Radler lädt uns nach ein paar Minuten Gespräch und Rücksprache mit seiner Frau zu sich nach Hause ein, in Arcata. Das ist zwar eigentlich etwas kurz als Etappe, aber wir nehmen an. Und lernen so wieder zwei hochinteressante Menschen kennen, Iris Schenken, früher Marketingfrau bei Apple, dann ausgestiegen und in den Bergen gelebt, nun Künstlerin und Gordon Inkeles, Buchautor von mehreren Büchern über sensitive Massage. Wir dürfen in einem Appartment im Untergeschoss wohnen und sind ihre Gäste für einen weiteren Tag. Arcata ist ein wirklich nettes kleines Unistädtchen, das einen Tag Pause lohnt. Iris und Gordon ist es wichtig, uns ein anderes Amerika zu zeigen, als wir bisher erlebt haben. Und wir sind offen und begeistert von der Vielfalt im Biosupermarkt, dem französischen Bäcker, den Studenten und allgemein der Atmosphäre des Städtchens. Auf einem Spaziergang durch die Marsch zeigen uns die beiden “Kunst am Gleis” eines unbekannten Künstlers und erzählen, dass Arcata aus einer Müllhalde eine  natürliche Kläranlage mit Ablauf in die Marsch gemacht hat. Sie zieht weltweit die Experten an. Überhaupt ist hier in Californien sehr viel “organic” zu finden. Der Müll wird getrennt und recycelt, Papiertüten oder Stoffbeutel in den Supermärkten sind keine Seltenheit. “Ihr habt das Jim Jarmusch-Land verlassen” meint Gordon sehr passend. Wir beschließen an dem Abend, einen Abstecher ins Napa Valley zu machen und uns die Weingegend Californiens etwas anzuschauen. Außerdem sehnen wir uns nach Sonne und Wärme.

Spezial:Autoshow Hamilton

Montag, Juli 12th, 2010

Überraschend finden wir eine Autoshow. An so was kann ich zu Karins Leidwesen ja nicht vorbei. Sie trägts mit Fassung.

20.06. Hot Spring Sulphur

Samstag, Juni 26th, 2010

Den ganzen Tag waren wir in idyllischen Bach-Flusstälern unterwegs, meist mit fiesem Seitenwind von Westen. Die Nadelbäume in dieser ganzen Region sind weitestgehend tot seit einer Borkenkäfer-Epidemie vor 3 Jahren. Wenn man genau hinsieht, ist die Braunfärbung der Wälder zu erkennen. Kremmling, das wir nachmittags erreichen, liegt am Fuß eines Tafelbergs, der irgendwie nicht recht stabil wirkt. Die haben Mut! Ab dann geht es aufwärts entlang dem Colorado-River, der sich in einem phantastischen Tal tief eingeschnitten hat. Abends werden wir von unserem Zeltnachbarn bekocht. Der ist zwar deutlich übergewichtig und darf wenig essen aber kocht wahnsinnig gern. So fügt sich das!

Er beichtete von der Landflucht, der hohen Arbeitslosigkeit der Region und den daraus sich ergebenden Alkohol- und Drogenproblemen. Beliebt sei hier ein undefiniertes Gemisch von Stoffen, unter anderem Rattengift (also wohl Strychnin). Das ist, um die Anfrage eines Freundes bei der Gelegenheit gleich mal zu beantworten, kein Problem der Schwarzen! Die gibt’s hier nämlich nicht. Seit Nashville, also in ganz Colorado, Kansas und halb Tennessee haben wir vielleicht zehn Schwarze gesehen, und das waren zum Teil noch Touristen. Nun sind diese Staaten extrem dünn besiedelt; die weit auseinander liegenden Orte haben oft nur zwischen 50 und 100 Einwohnern. Im Süden Colorados gibt es viele Latinos; streckenweise wirkt das so, wie man sich Mexiko so vorstellt. Ob es da soziale Probleme gibt, wissen wir nicht. (Wir sind natürlich auch keine Soziologen sondern Radreisende!)

16.06. Start in die Rockies

Samstag, Juni 19th, 2010

Irgendwie hatten wir uns vorgestellt, hinter Pueblo beginnen die Berge. Pustekuchen. Erstmal kommt noch jede Menge wüstenähnliche Prärie mit Hügeln- und heftigstem Seitenwind. In der wohlverdienten Mittagspause sitzen wir im Schatten der Veranda des geschlossenen Steakhouse  (Foto) und bedauern, dass nicht Wochenende ist. Nach ca 10 min. kommt die Besitzerin und fragt uns, ob wir etwas benötigten, Wasser, Restroom o.ä. Dann schließt sie den Laden auf und bietet uns selbstgemachte Candies sowie frisches selbstgebackenes Brot an. Der Laden ist fantastisch (Foto). Der Gastraum ist separat und sie betreibt den Laden seit dem Tod ihres Mannes vor 3 Jahren allein weiter. Gestärkt geht es weiter –und nun sogar mit Rückenwind! So macht das Radeln einfach mehr Spaß. In Canon City auf dem RV-Platz treffen wir Tony. Ein Typ aus Oklahoma, der seit 1 ½ Monaten im Camper wohnt, weil er hier Arbeit gefunden hat und jetzt alles organisiert, damit seine Familie nachkommt. Ein netter Kerl, der uns seinen „spiced rum“ anbietet, schmeckt wie Southern Comfort. Seine Stories sind köstlich. Nebenbei erzählt er, dass hier Schwarzbären- und Pumagebiet sei. Er habe bei einem Spaziergang am Fluss ein Schild mit Verhaltensregeln bei einem Pumakontakt gesehen. Uns wird etwas mulmig, aber seine unkomplizierte Ausstrahlung lässt auch uns etwas gelassener werden.

14.06. letzte Etappe vor Pueblo

Mittwoch, Juni 16th, 2010

Morgens Farmbesichtigung bei Gillian. Sie hat früher 12 Jahre mit ihren 2 Söhnen auf einem Segelboot gelebt, in Australien, England u.a. Ländern gelebt und gearbeitet. Nun ist sie hier. Vor 2 Jahren gab es ein Riesenfeuer, das über 100km durchlief und 21 Gebäude abfackelte, auch ihrs. Sie hat einfach alles verloren, nur die Tiere konnte sie retten. Dann, als sie noch auf den rauchenden Trümmern saß und überlegte zu gehen, kamen die ersten Leute mit Lebensmitteln, Kleidern, Werkzeugen. Sie erzählte, dass es über 300 Menschen waren, die ihr geholfen haben, aufzubauen, zu ersetzen. Da konnte sie nicht gehen. So sieht jetzt ihr Haushalt und das Gelände etwas zusammengebastelt aus, aber sie ist guten Mutes. Eine sehr bemerkenswerte Frau mit einem großem Herzen. Da sie zur Zeit nicht mehr reisen kann, holt sie sich mit den Radlern die Welt in ihr Haus. Mit ihrem neuen Mann, ebenfalls früher international unterwegs und frisch pensioniert, wollen sie in den nächsten Jahren wieder los- das Segelboot liegt schon in Florida bereit. Für die Farm ( ohne Land, nur Tiere just for Fun) findet sie Menschen, die während ihrer Abwesenheit dort leben. Dafür gibt es im Internet Communitys, das funktioniert anscheinend gut.  Beeindruckt fahren wir weiter.

Noch mehr Kakteen, die ersten Hügel kommen und wir nähern uns dem Ende dieses Reiseteils. In Pueblo haben wir endgültig die great plains durchquert. Nun geht es für die nächsten Tausend km in die Berge.

7.-10.06. Kansas

Freitag, Juni 11th, 2010

Es ist heiß, (ca 40°C)  und es stürmt und regnet ab und an.  Wir haben immer wieder nette Gespräche am Straßenrand und treffen jetzt auf dem Transamerican Bikeway auch mehr Gepäckradler. Die Infrastruktur wird immer karger, heute,10.06., sehen wir den ganzen Tag nur noch zwei Orte, dazwischen weniger als nichts.

Ok., es gibt sie, die „plains“. Und wenn das die nächsten 500 km so weitergeht, sind das auch „great plains“. Das Land ist nicht „tableflat“ aber doch nur leicht  hügelig, die Straße schnurgerade. Links und rechts Felder, Brachland, Weiden. Wenige Bäume, manchmal Büsche. Heute hatten wir 100 km, einen Ort am Anfang, einen in der Mitte und einen am Ende. Bei der Wärme stellt das Ansprüche an die Wasser- und Proviant-Logistik.

Kansas ist flächenmäßig vielleicht halb so groß wie Deutschland, hat aber nur 2,8 Mio. Einwohner, die meisten davon in Kansas City. Um hier zu leben, muss man wahrscheinlich hier geboren sein. Gestern sprachen wir mit einer vielleicht 30-jährigen Frau, die nur zweimal Kansas verlassen hat: sie war einmal in Disneyland Kalifornien und einmal in Disneyland Florida. In Kansas City war sie noch nie. Das kontrastiert mit Leuten, die wir allerdings meist in großen Städten getroffen haben, die schon in zehn verschiedenen Staaten gearbeitet haben und selten länger als ein halbes Jahr an einem Ort bleiben. Es scheint so, dass es in USA extrem mobile und extrem sesshafte Menschen gibt.

Ein Beispiel für ein nettes Gespräch: Wir sehen mitten in den Feldern eine lange Reihe an Eisenbahnwaggons. Wir fahren hin, eine Nebenstraße, die natürlich nicht mehr geteert, sondern nur noch geschottert ist. Während wir überlegen, was damit wohl transportiert worden ist, hält ein Wagen und der Fahrer fragt das übliche: woher-wohin. Er steigt aus, erklärt, dass er von `66 bis ´69 in Idaroberstein stationiert war und sehr viele schöne Erinnerungen an Deutschland habe. Er würde immer noch über google maps nachschauen, wie die Gegend aussehe und die Gebäude gäbe es auch noch. Er erklärt, dass die Waggons für Bauspanplatten waren und die Gesellschaft die Wagen einfach auf dem Land abstelle. Er ist 20 Meilen von hier auf einer Farm aufgewachsen, dann nach Deutschland und dann wieder zurück, weil er seinem Vater helfen musste. Er scheint viel gereist zu sein, denn die Orte, wo wir waren, kennt er alle. Ich frage ihn nach dem Weizen, der Grannen hat und er bejaht und bestätigt, dass es hier keinen ohne gebe. Im Übrigen gäbe es hier eine große Landflucht. Vor 30 Jahren lebten in der Stadt Lyon 6000 Menschen, nun im ganzen County. Die Farmen hätten sich von 200 acres in den 70igern auch 10.000 acres vergrößert. 4 acres = 1 ha. So lernen wir viel, auch, dass das Geschäft mit der Rasenpflege ein wirklich großes sei.

Kurz zu gestern: Wir trafen einen “Trail-angel”: das war gerrit, der vor 2 Jahren den Transamercan bikeway gefahren ist, und nun am Straßenrand steht uns Radler mit kalten Getränken versorgt. Einfach, so, um nett zu sein! Das gibt es öfter, vor allem beim Appalachian Trail. Es ist toll!

Wir werden die nächsten Tage, bis El Pueblo wahrscheinlich keinen Internetzugang mehr haben, heute war schon überraschend.

4.6. freundlicher Polizist

Dienstag, Juni 8th, 2010

Nun sind wir in Kansas! Das Land verändert sich langsam. Es wird offener, flacher, aber immer noch hüglig.
Barbara nannte uns eine Übernachtungsadresse, die Cedar Mill, sie seien dort fahrradfreundlich und wir könnten sicher dort das Zelt aufschlagen.
Abends kommen wir im Städtchen an und müssen fragen, wo denn die Cedar Mill ist. Wir fragen in der Polizeistation und erleben dort einen ganz außerordentlichen Polizisten. Er war selbst beim letzten Einssatzort mit dem Fahrrad auf Streife, holte die Landkarte raus, suchte uns drei Alternativen zum Übernachten raus, als sich in der Cedar Mill niemand mehr meldete (wo sie von der Polizei aus anriefen). Und zum Schluss schenkte er uns als Souvenir je einen Polizeiaufnäher! Und ein Foto durften wir auch machen. Ich stelle mir vor, was passiert, wenn ein fremdsprachiger Gepäckradler auf der Wolfsburger Polizeiwache auftaucht und fragt, wo er übernachten könne…

3.6. Ragtimefestival und warmshower

Dienstag, Juni 8th, 2010

Morgens nettes Städtchen mit Ragtime-musik erlebt. Und dann kurzerhand eine Warmshoweradresse angerufen. Und es hat geklappt. Barbara war zwar selbst noch unterwegs, sagte aber zu, dass wir kommen können. Als wir ankamen, stand an der Haustür eine Tafel, “warmshower zum HIntereingang” -dort war ein Schild, sie sei gerade noch unterwegs, wir könnten duschen, die Küche benutzen etc. sie käme später. – Das Haus war offen, Handtücher bereitgelegt- alles für wildfremde! Zwischenzeitlich kam eine Nachbarin,mit der wir plauschten, und die ganz begeistert war. Sie sei selbst nie aus dem Ort rausgekommen mit ihren 7 Kindern, machte aber einen ganz vergnügten Eindruck. Später kam Barbara und wir hatten einen wirklich ganz außergewöhnlichen Abend. Sie erzählte von den Touren, die sie allein und mit ihrem Mann gemacht hat. Zum Teil mit dem Rad; mehrfach durch die Staaten; zum Teil zu Fuß. Ihr Mann ist jetzt gerade für ein halbes Jahr unterwegs. Sie sind beide Anfang und Mitte 60, haben ein schnuckeliges altes Haus, sind politisch engagiert. Barbara hat unglaubliche Energie und eine sehr lebensfrohe Ausstrahlung. Mit ihr stellt sich das Gefühl ein: alles wird sich finden und zum Guten wenden, vertraue drauf. Sie gibt uns Tips, wo und wie wir fragen können, wenn kein Zeltplatz da ist. Und wir beschließen nun doch den Transamerican zu fahren und bestellen die Landkarten.

Wir zelten im Garten und nachts klaut uns ein Waschbär unser Brot! Ganz schön frech.

10./11.05 Überraschende Einladung in Athens

Donnerstag, Mai 13th, 2010

Tennessee ist rehabilitiert! Nachdem wir gestern Nachmittag den „Lost Sea“ besichtigt haben, den größten unterirdischen See Nordamerikas, auf dem man sogar mit einem Boot herumgeschippert wird, begann es ordentlich zu regnen. Wir wollten eigentlich in Athens, 20 km südlich auf einen Campingplatz, haben uns aber dann doch für ein Motel entschieden. –haben noch schnell im Supermarkt eingekauft, aber keinen Wein bekommen, auf den wir uns innerlich gefreut hatten. Wir fragten dann einen Kunden an der Kasse neben uns, Mitte 50 vielleicht, ob er denn den nächsten Weinladen wüsste; er beschrieb den Weg. Als wir draußen unser Zeug gepackt hatten, kam er noch mal zurück und sagte, die hätten aber nur schlechten Wein, er hätte besseren und wir könnten auch duschen, übernachten und uns etwas kochen. Wir nahmen die Einladung an, schwupp-die Räder auf den Pick-up und ab ging´s nach Hause zu Billy. Er selbst müsse früh ins Bett, weil er um 4:30 Uhr aufstehen müsse. Wir sollten uns morgen früh Zeit lassen und dann einfach die Tür ins Schloss ziehen. Billys Haus ist voll mit Deko-Artikeln und Antiquitäten, die Betten königlich, sein Wein, den wir gewählt hatten, spanisch und vorzüglich. Dabei hat er Wein nur für Gäste und hielt sich selbst an ein kleines Glas mit Vodka und Wasser. Sein Job ist einerseits Gärtner bei einer Eiskremfabrik und andererseits privat Dekorateur, speziell Weihnachtsdeko (seine Leidenschaft) und Hochzeiten. Er reist gerne mit „Primetimer“ eine Organisation für 50-60 jährige Männer. Das ganze war für uns eine völlig unerwartete Lektion in Gastfreundschaft und Vertrauen. Verstunken und durchnässt wie wir waren, können wir uns eine ähnliche Geschichte in Deutschland kaum vorstellen.

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